Die schwäbische Hausfrau. Immer fleißig und genügsam. Sie hält das Geld zusammen und achtet darauf, dass nicht mehr ausgegeben wird als reinkommt. Und sie sorgt vor. Ihre Prinzipien sind heute der Maßstab für die Haushaltspolitik in ganz Europa. Das hat Angela Merkel mit erheblichem Druck durchgesetzt - als Zwangstherapie für die Krisenländer. „Man könne nicht auf Dauer über seine Verhältnisse leben, mahnte sie damals. Das sei der Kern der Krise.Welche Folgen haben die Auswirkungen der Schuldenbremse?
Die Frage ist nur: Wer hat da über wessen Verhältnisse gelebt? Was für den einzelnen Haushalt gut und richtig ist, kann volkswirtschaftlich zum Desaster werden. Tatsächlich ist die Lage der meisten Menschen in den Krisenländern schlechter als je zuvor.
In ganz Europa ging es mit dem Wirtschaftswachstum bergab. Deutschland und Frankreich lagen im letzten Jahr gerade knapp über Null. In den Krisenländern ging es weiter runter. Und Besserung ist nicht in Sicht
Kein Wunder, sagt Heiner Flassbeck, bis vor kurzem Chef-Volkswirt der Handels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen. Die Kanzlerin und ihre Unterstützer ignorierten grundsätzliche wirtschaftliche Zusammenhänge. Das Rezept der schwäbischen Hausfrau, „wir wollen keine Schulden mehr machen, wir sparen, kann man nicht auf die Volkswirtschaft übertragen“, mahnt Flassbeck.
Wenn man spare, dann müsse man sich auch verschulden. Wenn in einer Volkswirtschaft alle sparen, dann breche die Wirtschaft zusammen, weil die Ersparnisse auf der Bank liegen blieben und nicht investiert würden. Jedes Vermögen brauche auch Schuldner.
Je stärker die privaten Geldvermögen steigen, desto mehr Schulden muss es auf der anderen Seite geben. Nur wenn Privatpersonen, Firmen, der Staat oder das Ausland sich Geld leihen und investieren würden, habe das Geld einen Wert und bringe Zinsen. Ohne Schuldner sinke der Wert des Geldes ins Bodenlose.
Genau da sind wir heute. Die Unternehmen investieren zu wenig, weil sie Angst vor der Zukunft haben oder von den Banken kein Geld bekommen. Die Banken sparen, weil sie keine Risiken eingehen wollen. Die Bevölkerung spart, weil Löhne und Renten gekürzt wurden und die Arbeitslosigkeit steigt.
Und die Staaten sparen, weil sie keine neuen Schulden machen wollen oder dürfen. Die Europäische Zentralbank versucht mit allen Mitteln, die Konjunktur anzukurbeln. Dafür hat sie die Zinsen inzwischen praktisch auf Null gesenkt. Jetzt ist das Pulver verschossen.
- daserste.de
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by besen via MyTFMRSS
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